
Die Digitalisierung prägt unseren Alltag und eröffnet auch für die Bildung unserer Kinder neue Möglichkeiten. Digitale Bildungsressourcen können das Lernen bereichern, erfordern aber auch einen bewussten und kompetenten Umgang. Dieser Artikel zeigt, wie Familien digitale Medien sinnvoll in den Lernalltag integrieren, welche Angebote empfehlenswert sind und wie sie die digitale Entwicklung ihrer Kinder optimal begleiten.
Grundlagen und Konzepte digitaler Bildung
Digitale Bildung ist mehr als nur die Nutzung von Computern oder Tablets. Es geht darum, Kindern und Jugendlichen die Fähigkeiten zu vermitteln, sich in der digitalen Welt sicher, kompetent und verantwortungsbewusst zu bewegen. Dazu gehört das Verständnis für Technologien, die Fähigkeit zur kritischen Bewertung von Informationen und die kreative Gestaltung eigener digitaler Inhalte.
Vorteile digitaler Lernwerkzeuge
Richtig eingesetzt, bieten digitale Lernwerkzeuge viele Vorteile. Sie erweitern den Zugang zu Wissen, wie beispielsweise durch Videos über Planeten auf YouTube. Kinder sind von Natur aus neugierig, digitale Inhalte können diese Neugier unterstützen. Digitale Tools fördern den natürlichen Entdeckerdrang und ermöglichen individualisiertes Lernen. Kinder können Inhalte wählen, die ihren Interessen entsprechen, und in ihrem eigenen Tempo lernen. Interaktive Übungen, visuelle Darstellungen und mehrsprachige Inhalte, wie sie beispielsweise die Anton App anbietet, unterstützen unterschiedliche Lernbedürfnisse. Dies ist besonders wertvoll für Kinder mit spezifischen Lernschwierigkeiten oder einem mehrsprachigen Hintergrund. Funktionen wie das Vorlesen von Wörtern fördern zusätzlich die Sprachkompetenz. Die Studie “Familie im Digitalzeitalter” zeigt, dass fast alle Familien in NRW Zugang zum Internet haben, wobei das Smartphone das wichtigste Zugangsgerät ist. Die Studie unterstreicht die hohe Akzeptanz digitaler Technologien in Familien.
Hybrides Lernen: Das Beste aus zwei Welten
Ein zukunftsweisendes Konzept ist das hybride Lernen, auch “Blended Learning” genannt. Es kombiniert die Vorteile des flexiblen, orts- und zeitunabhängigen E-Learnings mit den Stärken des Präsenzunterrichts, wie der direkten Interaktion mit Lehrkräften und Mitschülern. So entsteht ein umfassendes und abwechslungsreiches Lernerlebnis. Digitale Bildung ist dabei als Werkzeug zu verstehen, das traditionelle Lernmethoden ergänzt und bereichert, nicht ersetzt.
Eltern als digitale Begleiter
Eltern kommt eine Schlüsselrolle zu. Sie sollten ihr eigenes Medienverhalten reflektieren und Medienkompetenz vorleben. Dazu gehört auch, sich selbst über digitale Angebote zu informieren und gemeinsam mit den Kindern altersgerechte Inhalte auszuwählen. Die Initiative SCHAU HIN! bietet hierfür wertvolle Orientierungshilfen und Tipps. Klare, gemeinsam vereinbarte Regeln zur Mediennutzung und bildschirmfreie Zeiten sind wichtig, um einen ausgewogenen Umgang zu fördern und Konflikte zu vermeiden. Ein Mediennutzungsvertrag kann hierbei eine hilfreiche Grundlage sein.
Digitale Bildung: Kreativität statt Konsum
Experten betonen, dass digitale Bildung weit mehr bedeutet, als digitale Inhalte zu konsumieren. Vielmehr geht es darum, Geräte kreativ und produktiv zu nutzen, wie auf der Webseite SCHAU HIN! nachzulesen ist. Kinder sollten die Technologie hinter den Geräten verstehen lernen und ermutigt werden, selbst digitale Inhalte zu erstellen, beispielsweise durch das Programmieren eigener kleiner Spiele oder Apps.
Empfehlenswerte digitale Bildungsressourcen
Der Markt an digitalen Lernangeboten ist vielfältig. Im Folgenden stellen wir eine Auswahl empfehlenswerter Ressourcen vor, gegliedert nach Kategorien.
Umfassende Lernplattformen
Diese Plattformen bieten einen guten Einstieg und decken verschiedene Fächer und Altersgruppen ab:
- Der Deutsche Bildungsserver bündelt zahlreiche kostenlose Angebote für unterschiedliche Schulformen und Fächer. Hier finden Familien beispielsweise Materialien zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder zusätzliche Übungen zu bestimmten Themen.
- seitenstark.de bietet eine Sammlung multimedialer Lernangebote, die besonders für jüngere Kinder in der Vor- und Grundschule geeignet sind. Hier können Kinder spielerisch die Welt der Buchstaben und Zahlen entdecken oder sich mit spannenden Sachthemen beschäftigen.
- Die Anton App ist eine kostenlose und werbefreie Lern-App, die von der EU gefördert wird. Sie bietet interaktive Übungen für die Fächer Mathematik, Deutsch, Sachunterricht und Musik für die Klassenstufen 1 bis 10. Familie Schmidt nutzt die Anton App beispielsweise, um ihre Tochter (3. Klasse) beim Üben des Einmaleins zu unterstützen und ihren Sohn (7. Klasse) auf den nächsten Deutsch-Test vorzubereiten.
Medienkompetenz und Sicherheit im Netz
Diese Angebote unterstützen Familien dabei, Kinder im sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu schulen:
- SCHAU HIN! ist eine Initiative, die Eltern umfassend zu Fragen der Medienerziehung berät und praktische Tipps für den Familienalltag gibt. Hier finden Eltern beispielsweise Checklisten für die Auswahl geeigneter Apps oder Ratschläge zum Umgang mit Cybermobbing.
- Das Internet-ABC bietet kindgerechte Lernmodule, die spielerisch Wissen über das Internet, Smartphones und Apps vermitteln. Kinder lernen hier beispielsweise, wie sie sichere Passwörter erstellen, Fake News erkennen und verantwortungsvoll mit ihren persönlichen Daten umgehen.
Programmieren lernen für Kinder
Diese Angebote wecken die Begeisterung für das Programmieren und fördern das logische Denken:
- Mit der visuellen Programmiersprache Scratch können Kinder ab etwa acht Jahren eigene interaktive Geschichten, Spiele und Animationen erstellen. Familie Meier nutzt Scratch, um gemeinsam mit ihren Kindern (8 und 10 Jahre) ein kleines Spiel zu programmieren, in dem eine selbst gestaltete Figur Abenteuer erlebt.
- Open Roberta ist eine Programmierumgebung, die es Kindern ermöglicht, Hardware wie Lego Mindstorms oder den Calliope Mini zu steuern. So können sie beispielsweise einen kleinen Roboter bauen und programmieren, der auf Befehle reagiert oder Hindernisse umfährt.
Open Educational Resources (OER): Freie Bildungsmaterialien
OER sind frei zugängliche und nutzbare Lehr- und Lernmaterialien. Sie bieten Familien die Möglichkeit, kostenlos auf hochwertige Bildungsinhalte zuzugreifen und diese auch selbst zu gestalten und weiterzugeben. Die Seite Open Educational Resources bietet umfassende Informationen. Hier eine kleine Auswahl an OER-Plattformen:
- ZUM.de, ein Pionier im Bereich OER, stellt eine breite Palette an Unterrichtsmaterialien bereit.
- Auf Lehrer-Online.de finden sich vor allem Arbeitsblätter, die sich gut für das Üben zu Hause eignen.
- Serlo.org ist eine hervorragende Ressource für Mathematik, mit Artikeln, Kursen und Übungsaufgaben inklusive Lösungen. Familie Lehmann nutzt Serlo.org, um ihrem Sohn (15 Jahre) bei der Vorbereitung auf die Mathematik-Abiturprüfung zu unterstützen.
Digitale Chancengerechtigkeit: Eine gemeinsame Aufgabe
Digitale Bildung bietet viele Chancen, birgt aber auch die Gefahr sozialer Ungleichheit. Nicht alle Familien haben die gleichen Voraussetzungen. Der Zugang zu digitalen Geräten, die Wohnsituation und die digitalen Kompetenzen der Eltern beeinflussen den Bildungserfolg der Kinder. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien oft schlechteren Zugang zu digitalen Lernmitteln haben. Um dem entgegenzuwirken, können Familien beispielsweise die Angebote öffentlicher Bibliotheken nutzen, die oft kostenlosen Zugang zu Computern und Internet anbieten. Viele Bibliotheken und andere Einrichtungen bieten auch kostenlose Workshops zur Medienkompetenz an, die Eltern und Kindern helfen, ihre digitalen Fähigkeiten zu verbessern.
Forschung für die Praxis: Das Projekt DiBiGa
Forschungsprojekte wie DiBiGa (Digitale Bildung im Grundschulalter) liefern wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung digitaler Bildung. DiBiGa untersucht, wie Kinder im Grundschulalter mit und über digitale Medien lernen, und zwar sowohl in der Schule als auch in der Familie. Ein zentrales Ergebnis ist, dass digitale Bildung nur dann erfolgreich sein kann, wenn die notwendigen Voraussetzungen sowohl in der Schule als auch im Elternhaus gegeben sind. Die Forschungsergebnisse, die auf dibiga-insight.de veröffentlicht sind, zeigen, dass Eltern eine aktive Rolle bei der Begleitung ihrer Kinder einnehmen und digitale Medien bewusst und altersgerecht auswählen sollten.
Fazit: Gemeinsam in die digitale Zukunft
Digitale Bildungsressourcen sind ein wertvoller Baustein für die moderne Familie. Sie bieten vielfältige Möglichkeiten, das Lernen zu unterstützen und Kinder auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Wichtig ist, digitale Medien als Werkzeuge zu verstehen und sie bewusst, kreativ und altersgerecht einzusetzen. Digitale Bildung ist eine gemeinsame Entdeckungsreise für Eltern und Kinder, bei der es darum geht, Kompetenzen zu entwickeln, Chancen zu nutzen und Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Durch eine enge Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule, die Nutzung vielfältiger digitaler Angebote und die Förderung digitaler Chancengerechtigkeit können wir sicherstellen, dass alle Kinder von den Möglichkeiten der digitalen Bildung profitieren.